Heimatdienst-Info

Ziehbrunnen aus dem 15. Jahrhundert an der alten Salzstraße freigelegt

Bei den Straßenbauarbeiten für die Erweiterung der Fußgängerzone in der Flurstraße wurde kürzlich einer der 21 alten Nebenbrunnen von Sonthofen entdeckt. Aus diesen Brunnen, die meist außerhalb der Gebäude lagen, wurde das notwendige Wasser für Mensch und Nutztiere mit Seilrolle und Holzkübel aus dem anstehenden Grundwasser gefördert. Der aufgefundene Brunnen ist ca. 7,50 m tief und aus Flußrollsteinen schachtseitig mörtellos gemauert.

Brunnen-Einstieg   Brunnen-Sole

Bild 1: Einstieg des Brunnens                                                                                      Bild2: Brunnen-Sole

Heutzutage liegt der Grundwasserspiegel dort bei etwa 14 m Tiefe. An der Brunnensohle wurden alte Ziegel und Stücke von verkohlten Holzkonstruktionen gefunden. Die Holzfunde sind von der ursprünglich vorhandenen Überdachung des Brunnenschachtes. Es wird vermutet, dass die oberirdische Holzkonstruktion des Brunnens bei einer Katastrophe verbrannt ist. Da die Teile heute noch im Brunnen lagen, ist anzunehmen, dass der Brunnen danach nie mehr zur Wasserentnahme verwendet wurde.

Heutzutage sind die übrigen alten Nebenbrunnen aufgefüllt Im Bereich der "Alpenvogel-Kreuzung" waren auf engem Raum drei dieser Nebenbrunnen abgetäuft. Ein weiterer Nebenbrunnen war in einem unterkellerten Anbau im heute ältesten Haus von Sonthofen, dem "Möggenriedhaus", vorhanden.

Der alte Brunnen in der Flurstraße wird nun von der Stadt Sonthofen als sichtbares Denkmal erhalten. Der Schacht wird beleuchtet und der Brunnen mit einem engen Edelstahlgitter abgedeckt. Eine Schautafel mit Bildern aus dem Brunnen ist an der Hauswand des danebenliegenden Gebäudes montiert. Aus so einem Brunnen durfte eine Gemeinschaft der Brunnennachbarn Wasser entnehmen.

Brunnen-Moertellos

Bild 3: Mörtellose Mauerung des Brunnens

Die Brunnennachbarn übernahmen mit einem Wasserrecht aber auch die Verpflichtung, für die Unterhaltungsarbeiten an Ihrem Brunnen zu sorgen. Aus dem Brunnenrecht entstand eine allgemeine Hilfsgemeinschaft der Brunnennachbarn. Die zu einem Brunnen Gehörigen bildeten eine für das ganze Leben miteinander eng verbundenen Gemeinschaft, deren Mitglieder bei allen Gelegenheiten des täglichen Lebens einander Beistand zu leisten hatten. Im Stadtarchiv Sonthofen sind  noch viele Urkunden über die alten Brunnenrechte vorhanden.

1765 wurde in Sonthofen zusätzlich ein Hauptbrunnen vor dem Eingangsportal zum Schloß (heute steht dort ein neues Gebäude der "Agentur für Arbeit") als großes steinernes Becken mit 4 Röhren "Zur Zierde und Abwendung der Feuergefahr" aufgestellt. Die Gemeinde lieferte das Wasser - der Bischof als Landesfürst unterhielt den Brunnen. Ab 1822 gab es in Sonthofen auch noch vier öffentliche Brunnen mit Quellwasser aus Holzdeichelleitungen vom "Schwäbeleholz" und dem "Schwarzenbach". Von diesen Brunnen ist nur noch der Marktbrunnen vorhanden. Er wird heute von der jetzigen städtischen  Wasserversorgung gespeist. 1877 wurde schließlich die erste gemeindliche Wasserleitung zur Versorgung von nun 48 Brunnen eingerichtet. Das wertvollste Naturgut in Sonthofen war immer und wird auch in Zukunft das sehr gute und reichlich vorhandene Trinkwasser sein.

Uwe Brendler, Heimatdienst Sonthofen